Endlich wieder Schwimmkurse möglich

Nora Schramke darf Kindern offiziell das Schwimmen bei der Wasserwacht beibringen

Schwimmhelferin Sonja Metzger (vorne) sowie Schwimmlehrerin Nora Schramke (dahinter) lernten mit den Mädchen und Buben das Schwimmen.

Im laufenden Jahr 2022 forderten bayerische Gewässer bis einschließlich Juli bereits 42 Todesopfer.
Im gleichen Zeitraum des Vorjahrs waren 29 Todesfälle zu beklagen. Am Ende des Jahres zählte man letztlich 60 Ertrinkungstote. Die Opfer der Flutkatastrophe nicht mitgerechnet, liegt Bayern damit deutschlandweit an der Spitze einer unrühmlichen Statistik, informiert die Wasserwacht Waging am See. Nach einigen Jahren rückläufiger Unfallzahlen, sind diese nun wieder im Steigen begriffen. Als Gründe gelten die Schließungen vor allem städtischer Schwimmbäder und -hallen aus Geld- und/oder Personalmangel, eine erhöhte Anzahl an Nichtschwimmern mit Migrationshintergrund, aber auch der Trend zu sogenannten »Badestellen«, die unter gewissen Voraussetzungen Badebetrieb ohne qualifizierte Aufsicht erlauben.
In der Waginger Wasserwacht hält man diesen bedenklichen Entwicklungen mit Schwimmkursen seit Jahren entgegen. Bei der Ortsgruppe musste man sich einige Zeit mit der »Wassergewöhnung« begnügen.
Bei diesem Lehrmodul werden Kinder behutsam an den Umgang mit Wasser herangeführt. Es gilt als hilfreiche Grundlage für einen späteren
Schwimmkurs.
Das Schwimmen selbst zu lehren, war der Wasserwacht in dieser Phase versagt. Es gab schlicht keine Mitglieder mit dem Lehrschein »Schwimmen«. Ohne diesen dürfen die Rettungsschwimmer niemandem das Schwimmen beibringen.
Jetzt hat die Waginger Wasserwacht mit Lehrerin Nora Schramke wieder eine offizielle Kursleiterin. Sie verfügte schon aus dem schulischen Bereich über eine Ausbildung zur Schwimmlehrerin. Es war nicht leicht, das Erlernte und damit das Befähigungszeugnis ohne neue Lehrscheinausbildung auch auf die Wasserwacht zu übertragen. Mit Unterstützung des Ortsgruppenleiters Marco Haberstetter konnten aber alle Hindernisse überwunden werden. Derzeit befinden sich Bernhard Kaspar und Korbinian Haberstetter in Ausbildung und werden das Schwimmlehrer-Team der Ortsgruppe künftig verstärken. Bei dem jetzt abgelaufenen Kurs waren sie und Sonja Metzger als Schwimmhelfer bereits tätig. Beim Kurs am »Bad der Waginger« Seeteufel nahmen etwa 20 junge Schwimmanwärter teil. Einige strichen die Segel, andere kamen hinzu. Die Übungseinheiten begannen jeweils mit einem circa 20-minütigen Aufwärmen an Land.

Mit kindgerechter Musikbegleitung absolvierte man einige Dehn- und Laufübungen. So gerüstet ging es dann in zwei Gruppen zu je zehn Kindern, ins Wasser. In der Anfangsphase wurden die Schwimmschüler spielerisch an das nasse Element gewöhnt. Sie sollen Respekt vor dem Wasser haben, aber keine Angst. Mit Schwimmhilfen übten sie erst Beinschläge, dann Armbewegungen und schließlich kombinierten sie beides, Je nach erreichtem Können wurden die Schwimmhilfen allmählich beiseite gelassen. Erst waren die Abläufe noch etwas hastig, aber nach und nach kehrte mehr Ruhe in die Bewegungen ein. Und auch beim Schwimmen gilt: Übung macht den Meister.
Die Neuschwimmer müssen das Erlernte unter Aufsicht der Eltern oder anderer Begleitpersonen später noch vertiefen sowie Kraft und Ausdauer stärken.
Abgerundet wurde die Ausbildung durch die Baderegeln, die jeder Badende kennen und vor allem beherzigen sollte. Zum Abschluss ging es um die Abzeichen. Auch Nichtkursteilnehmer konnten ihre Schwimmkünste unter Beweis stellen. Vier erwarben das begehrte
»Seepferdchen«, drei Nichtkursteilnehmer den »Seeräuber«. Und wer es nicht ganz geschafft hat, kann es beim nächsten Mal einfach wieder probieren. Aber ein großer Schritt ist jedenfalls getan: Auch die Mädchen und Buben ohne Abzeichen können sich über Wasser halten. Alle Teilnehmer erhielten eine Urkunde und etwas zum Naschen als Belohnung für ihr Durchhaltevermögen. Und sie durften eine Runde mit dem Wasserwachtsboot drehen.