Geschichte

Die Wasserwacht Waging von 1883 bis Heute

Wasserrettung ist nicht erst seit der Erschließung unserer Seen und Flüsse durch den Tourismus eine Notwendigkeit. Bereits im Jahre 1883 stellte das Bayrische Rote Kreuz  Bereitschaften für den Wasserrettungsdienst auf und erließ 1923 eine umfassende Dienstordnung, deren Grundzüge heute noch gelten. Nachdem 1945 alles neu geschaffen werden musste, bestimmte die amerikanische Militärregierung , dass alle Rettungsdienste im Rahmen des Roten Kreuzes neu zu organisieren seien. So kam es damals zur Gründung der Wasserwacht des Bayrischen Roten Kreuzes.

Der Gedanke, in Waging eine Organisation ins Leben zu rufen, die bereit ist, bei der Bekämpfung des Ertrinkungstodes zu helfen, geht schon in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zurück. Damals war es eine Hand voll Waginger Bürger, die die ersten Grund- und Leistungsscheine erwarben und am Bad Seeteufel Wachdienst leisteten. Nach dem Krieg blieb es einige Jahre still um die Waginger Wasserwacht.

1951 griffen einige junge Waginger Bürger die Idee ihrer Vorgänger auf und gründeten mit der damals noch existierenden Sanitätskolonne Waging die Wasserwacht OG Waging. Zu ihrem 1. Vorstand wählten sie Georg Kraller. Ihm zur Seite standen Eduard Bleibinger, Heinrich Decker, Albert Gnadl, Hermann Haid, Agathe Höninger, Harry Meißner, Dieter Müller und Karl Weindl. In einem Gesuch an das damals für Waging zuständige Landratsamt Laufen bitten sie um die Zulassung eines Rettungsbootes und die Genehmigung, ein Rettungszelt aufstellen zu dürfen. Einige Jahre arbeitete die Ortsgruppe so auf primitive Weise.

1954 nehmen die Wasserunfälle bedenklich zu. In einer Resolution fordern 1955 Waginger Bürger das Landratsamt Laufen auf, für geeignete Maßnahmen zu sorgen, um dem Badetod wirkungsvoll entgegentreten zu können.

Im Jahre 1956 zeigen neue Initiativen des frischgebackenen Vorstands Edi Bleibinger grundlegende Erfolge: Beginn einer geregelten Ausbildung und der Einsatz eines ersten Ruderbootes als Rettungsboot (die Genehmigung zum Befahren des Waginger Sees mit Motorbooten wurde zurückgezogen), das von Kasper Kraller, Bgm. von Gaden, Kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Wie mühe voll der Weg der damaligen Wasserwacht zu einer vernünftigen Ausbildung war, zeigt das Beispiel des Abteilungsleiters Alfons Milde aus Freilassing: Da die OG Waging noch keinen eigenen Ausbilder besaß, fuhr er als Schwerkriegsbeschädigter mit dem Fahrrad wiederholt nach Waging, um die kleine Gruppe von Aktiven zu schulen.

1957 erhält die Ortsgruppe von der Marktgemeinde Waging ein Tauchgerät und ist somit in der Lage, Unterwassereinsätze durchzuführen.

Das Jahr 1960 ist für die Ortsgruppe Waging ein Jahr der Bewährung. Nach inneren und äußeren Unstimmigkeiten erklärte Edi Bleibinger seinen Rücktritt als Ortsgruppenleiter. Der damals 20-jährige Hans Bittmann erklärte sich bereit, das Amt als Vorsitzender zu übernehmen. Sein Stellvertreter wird Alfons Hammer, der diese Stellung bis 1976 innehaben wird.

1961 ist es wieder Kasper Kraller, welcher der Ortsgruppe unter die Arme greift. Uneigennützig stellt er Grund zur Verfügung und schlug den Anbau einer Wachhütte an sein Bootshaus vor. Mit Gaden, Seeteufel und Kurhaus sind nun drei Stützpunkte zu betreuen. Eine von Herrn Kraller gestiftete Bootsschale wird mit einem 18 PS starken Außenbordmotor ausgerüstet und damit die Einsatzbereitschaft der Wasserwacht entscheidend gestärkt.

Als Hans Bittmann zum Wehrdienst einberufen wurde, ist die Ortsgruppe wieder ohne Vorstand, und so nimmt Edi Bleibinger die Geschäfte des 1. Vorstandes wieder wahr, bis 1964 Karl Hümmer sich für das Amt zur Verfügung stellte.

Im Jahre 1966, als Karl Hümmer mit dem studieren anfing, begann die Ära Sepp Kaindl, der die Ortsgruppe 16 Jahre lang anführte. Es gelang ihm mit Unterstützung seines Kassiers Paulenz 1972 ein neues Motorboot, die TESSY in Dienst zu stellen.

1975 gab es über ein Landeskuratorium 30% Zuschuss für erarbeitete Spendengelder. Die Vorstandschaft war sich einig, dass dies eine gute Voraussetzung für einen neuen Hüttenbau wäre. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 52.000 DM, die über Veranstaltungen und Sammlungen beschafft wurden. Einige Waldbesitzer stifteten, Dank Bezirks – und Kreisrat Andreas Seehuber, 32,5 cbm Bauholz. Auch Unternehmer und Geschäftsleute trugen ihren Anteil zur Errichtung der Hütte bei. Nach 2-jähriger Bauzeit und 2000 Freizeitarbeitsstunden von Aktiven, Passiven, Feuerwehrlern und angehörigen der Wasserwacht konnte die Hütte am 25.06.1975 ihrer Bestimmung übergeben werden.

1981 übernahm Franz Hallinger die Führung der OG in Waging. In dieser Zeit löste ein neues, den Anforderungen besser entsprechendes Motorboot die altersschwache TESSY II ab.

1984 übernimmt Heinz Hammer den Posten des 1. Vorsitzenden. Unter seiner Führung wurde die Wachhütte um Sanitäre Einrichtungen und eine Küche erweitert.

1989 erfolgte wieder ein Wechsel in der OG. Der damals 2. Vorsitzende Hans-Otto Sternhuber übernahm die Position des OG Leiters und Heinz Hammer machte den 2.

1991 wurde die Wachhütte für die ständige Einsatzbereitschaft umgebaut. Der Wachraum mit Funkzentrale wurde zweckgemäß gestaltet. Ein Jahr später wurde auch der Sanraum neu eingerichtet.

Bei den Neuwahlen 1993 wurde Sternhuber in seinem Amt bestätigt und Rainer Baumgartner zu seinem Stellvertreter gewählt.

1993 bekam das Strandbad Seeteufel einen Neubau, der nicht nur einen Kiosk, Sanitärräume und Umkleiden hatte, sonder, dank der Unterstützung des Marktgemeinderates, auch großzügige Räumlichkeiten für die Wasserwacht bot. Mit dieser Neuregelung erlangte der traditionelle Stützpunk der Wasserwacht Waging auch für die jüngeren Rettungsschwimmer eine neue Attraktivität.

In den folgenden Jahren wurden in der Wachhütte am Kurhaus Zug um Zug Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. So wurden die elektrische Installation erneuert, der Linoleumbelag durch rutschsicheren Fliesenboden ersetzt. Ebenso konnten die sanitären Anlagen renoviert werden. Die Dusche wurde neu gefliest und der alte Boiler gegen einen stromsparenden Druchlauferhitzer ausgetauscht.

Im Herbst 1997 musste der altersschwache, reparaturanfällige Bootsmotor gegen ein neues, stärkeres Antriebsaggregat ausgetauscht werden.

Durch großzügige Spenden der Firmen HABA – Beton und Baugeschäft Lamminger, sowie die tatkräftige Mitarbeit vieler freiwilliger Helfer, wurden im Jahre 1999 die Außenanlagen der Wachstation am Kurhaus neu gestaltet und bepflanzt.

Nach langer Diskussion in der Vorstandschaft wurde 2002 der Förderverein der WW Waging gegründet. Wie in jedem Verein brauchte auch der Förderverein einen Vorstand. Aber wer sollte dieses Amt bekleiden? Ein langes hin und her begann bis man sich dazu entschloss den Neumann Heinz zufragen, der sich bei der 50 Jahrfeier schon fast als Hauptorganisator heraus stellte. Heinz sagte Gott sei Dank ja.

Bei den Neuwahlen 2005 wechselte wieder einmal die Vorstandschaft. Zur ihren neuen Vorstand wählten die Mitglieder Roland Neumann. Unter seiner Führung und der Mithilfe seiner Vorstandschaft und Mitglieder, wurden viele neue Arbeitsmittel wie z.B. ein neues Ruderboot mit Außenborder, ein 2. Notfallrucksack mit Sauerstoffflasche und ein Frühdefibrillator beschafft. Da der Bootssteg immer bauanfälliger wurde, wurde ein neuer dauerhafter Steg, in Zusammenarbeit mit der Baufirma Lamminger, errichtet. Ebenso wurde für das Ruderboot ein Slipwagen beschafft.

Im Sommer 2013 kam es zu einem Hochwasser bei dem große Teile der Einrichtung der Wachhütte am Kurhaus beschädigt wurde, wieder mussten die Mitglieder tätig werden und im Zuge dessen wurde der Wachraum neu gestaltet, die Wände isoliert und mit Rigips verkleidet und verputzt . Die Möbel wurden Hochwassersicher gestaltet, d. h. alles wurde erhöht gebaut sodass sich der Schaden bei einem erneutem Hochwasser in grenzen hält.

In 2018 wurde eine neue Jugendgruppe gegründet die die bereits aufgrund der grossen Nachfrage bereits 2019 auf zwei Gruppen erweitert wurde.

Im Jahr 2019 wurde beschlossen die mittlerweile fast 40 Jahre alte Tessy zu ersetzen und hierzu wurde ein Antrag auf Wiederbeschaffung gestellt der auch sofort genehmigt wurde.

Im November 2020 konnten wir dann unser neues Boot bei der Firma Harbeck in Empfang nehmen. Es handelt sich hierbei um ein Motorrettungsboot der Kategorie 3 (Faster 635 mit einem Suzuki Außenbordmotor mit 140PS) das von der Firma Nordland Hansa in Rostock hergestellt wurde.

Im Februar 2021 wurde ganz im Zeichen der Corona-Pandemie unter strengen Hygieneauflagen in der Bergader Arena eine neue Vorstandschaft gewählt. Roland Neumann stand nach 16 Jahren als 1. Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung und somit erklärte sich Marco Haberstetter bereit das Amt zu übernehmen.

Um all diese Leistungen vollbringen zu können, war die Ortsgruppe immer wieder auf die Unterstützung von Behörden, Gemeinden, Bevölkerung und des Fördervereins angewiesen. Auf diesem Weg allen ein herzliches „Vergelt‘s Gott“, die sich in den letzten 70 Jahren als Freunde und Gönner der Wasserwacht Waging am See erwiesen haben.